INFORMATIONSBLATT
Gregor Mendel, 1822
als Sohn eines Bauern im heutigen Heinzendorf/Österreich geboren, studierte
Theologie, Biologie und Physik und trat 1843 ins Augustiner Chorherrenstift St.
Thomas zu Brünn ein. Als Abt des Stiftes leitete er nicht nur viele Jahre lang
die Geschicke der Abtei, sondern legte mit seinen umfangreichen botanischen
Versuchen zur Vererbungslehre auch den Grundstein für die Genetik. Er
formulierte drei – auch heute noch geltende – Gesetze, die so genannten
Mendelschen Regeln: die Uniformitätsregel, die Spaltungsregel und das Gesetz
der freien Kombinierbarkeit der Gene. Er veröffentlichte seine Versuche, die er
mit Erbsen durchgeführt hatte, erstmals 1865. Lange Zeit wurde sein
bahnbrechendes Werk allerdings nicht zur Kenntnis genommen. Erst im 20.
Jahrhundert wurde seine Bedeutung erkannt. Maßgebliche Auswirkungen hatte seine
Forschungsarbeit auf die junge Wissenschaft der Genetik. Deshalb wird Mendel
heute als „der Vater der Genetik“ bezeichnet.
Mendel`s Experimente: Der Anfang der genetischen
Wissenschaft
Mit Unterstützung
seines Vorgängers im Amt des Abtes Cyrill Franz Napp begann Mendel 1856 seine
Hybridisierungsversuche an Erbsen. 1865 präsentierte die Ergebnisse seiner
Forschungen erstmals in den Sitzungen des Naturwissenschaftlichen Vereines in
Brünn. Die schriftliche Version dieser Arbeit erschien 1866 und trug den Titel:
„Versuche über Pflanzen-Hybriden. Seiner Arbeit wurde damals allerdings nur
wenig Interesse entgegengebracht, was auch daran gelegen haben könnte, dass
seine Methode einfach zu neu gewesen war: noch nie zuvor hatte jemand versucht,
Mathematik oder Statistik bei biologischen Experimenten anzuwenden. Ein anderer
Grund für das Fehlen einer Resonanz der wissenschaftlichen Gemeinde auf Mendels
Veröffentlichung wird allgemein im geringen Verbreitungsgrad und der niedrigen
Auflage jener wenig bekannten Zeitschrift gesehen, in der die Veröffentlichung
erschien. Die fehlende Anerkennung, aber auch neue und schwere Aufgaben – 1868
wurde Mendel zum Abt gewählt – haben dazu beigetragen, dass Mendel seine
wissenschaftliche Tätigkeit stark einschränkte. 1883, wenige Monate vor seinem
Tod 1884, sagte Mendel in einer Ansprache: „Mir haben meine wissenschaftlichen
Arbeiten viel Befriedigung gebracht, und ich bin überzeugt, daß es nicht lange
dauern wird, da die ganze Welt die Ergebnisse dieser Arbeit anerkennen wird“.
(zit. nach CZIHAK, 1984)
Die
Augustinerabtei St. Thomas zu Brünn
Das
Augustinerkloster St. Thomas zu Brünn wurde im Jahr 1347 gegründet. Während der
Hussitenaufstände im 15. Jahrhundert wurde das Kloster vollständig zerstört.
Die Abtei wurde wieder aufgebaut und mit einer Festungsmauer geschützt.
Endgültig verlassen mussten die Chorherren ihr ursprüngliches Kloster im Jahr
1783. Sie übersiedelten in das ehemalige Zisterzienserkloster in die Altstadt
von Brünn, in dem die Abtei auch heute noch beheimatet ist. Im Mittelpunkt der
Klostergemeinschaft stand seit ihrer Gründung immer die Kunst und die
Wissenschaft. Davon zeugt die bis heute erhalten gebliebene Barockbibliothek,
die insgesamt 27.000 Bände umfasst. Zu den berühmtesten Schülern der Abtei
gehörte der Komponist Leos Janacek.
Während
der Nazizeit wurden viele Augustiner Chorherren wegen ihres Widerstandes gegen
den Nationalsozialismus verfolgt und getötet. 1950 schließlich – als die kommunistische
Ära in der Tschechoslowakei begann – wurde die Abtei säkularisiert und diente
unter anderem als Studentenheim. Nach der Wende 1989 wurde die Abtei an die
Chorherren restituiert.
www.brno-city.cz/main/index-en.htm
Brünn, heute die zweitgrößte Stadt der tschechischen Republik, wurde um
das Jahr 1.000 n. Chr. das erste Mal urkundlich erwähnt. Die Stadt war im 14.
Jh. Sitz der mährischen Markgrafen.
In der Mitte des 16. Jh. begann Brünn, dem Protestantismus zuzuneigen,
deren Anhänger eine Überzahl im Stadtrat gewannen. Die Stadt schloss sich 1619
dem ständischen Aufstand an, wofür sie bestraft wurde. 1643 und vor allem 1645
konnte sie als einzige Stadt in Mähren der langen Belagerung durch schwedische
Truppen standhalten. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde Brünn zur
alleinigen Hauptstadt Mährens. Die Stellung Brünns wurde auch mit der Gründung
eines Bistums im Jahre 1777 hervorgehoben.
Im 18. Jh. konzentrierte sich die Textil- und Maschinenbauindustrie in
Brünn. In der Zeit der Ersten Republik war Brünn die zweite Stadt nach Prag.
Der Zweite Weltkrieg brachte Brünn beträchtliche Schäden. Während der
nationalsozialistischen Okkupation starben viele tschechische Bürger auf der
Konsequenz war die Abschiebung der deutschen Bevölkerung aus Brünn im
Jahre 1945. Heute ist Brünn ein Zentrum für internationale Messen und Kongresse
und erfreut sich eines regen kulturellen und intellektuellen Lebens.